Herausforderung Elterncafe

(K) Eine Glanzleistung, Mama…

Heute Nachmittag im Elterncafe der Kinderstube. Ich war heute seit langem mal wieder da, sonst ist das Papas Tag.
Die Kinder spielen, die Eltern reden. Das, was bezaubernd anfing- die Kinder führten selbstorganisiert ein Stück auf- endete für mich in einem emotionalen Desaster.
Aber etwas mehr der Reihe nach.

Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Bei meiner Befürchtung vor dem Elterncafe? Mit der Beschreibung des Nachmittages aus meiner Sicht?

Ich probiere es anders. Ich versetze mich in Lukes Lage und schreibe aus seiner Sicht.

Es ist 15:15, die ersten Eltern sind in der Kinderstube und bereiten das Elterncafe vor. Die Kinder sind hungrig wie kleine Raubtiere.

„Oh meine Mama ist da! Ich renne mal auf sie los! Yeah! Voll in Mama reingekracht! Voll toll!
Wieso motzt sie jetzt rum? Ich begrüße sie doch nur?! Nur, weil ich stürmisch bin? Irgendwie muss ich das gerade so machen. Ich bin halt schon 6 Stunden hier- und ich habe Hunger! Oh! Und ich muss Pipi.
Hmmm, Kekse. Und Pipi? Nö. Das soll warten. Ich halte es einfach auf und renne wieder zu meinem besten Freund Lennard.“

-1 1/2 Stunden vergehen mit noch viel mehr Keksen und ohne Erleichterung auf der Toilette. Die Kinder spielen und toben. Einzelne Kinder schwitzen stark-

„Puh. Jetzt ists aber ganz schön nötig. Aber wenn Mama mich darauf hinweist Pipi machen zu gehen, dann will ich nicht gehen. Schließlich entscheide ich das selber. Ich bin 5!
Aijaijai, das wird aber ganz schön anstrengend jetzt. Ich renn mal wieder in die Mama rein und spiele Explosion. Pääämpiuuuuuu 💥 Meine Mama braucht es mal wieder so deutlich.
Wieso guckt meine Mama mich jetzt so hilflos an? Eigentlich ist es doch ganz einfach! Einfach mal aus der Lautstärke hier rausnehmen, dass ich etwas mehr innere Ruhe habe. Täte ihr auch gut. Naja. Vielleicht begreift sie es noch. Ich spiele einfach weiter Explosion. Diesmal etwas lauter und mit mehr Kollision. 💥

— 30 Min später: Aufbruch Stimmung, alle wollen gehen, einige Kinder sind außer Rand und Band. Tiefatmende Eltern und eine fast kapitulierende „Mama“. Die Lautstärke steigt noch mal an. Kinder wehren sich mit Händen und Füßen.–

„Ah! Ah! Ah! Jetzt MUSS ich aber gehen! Pipiiiii!
Jetzt renne ich wieder zu Lennard und wir verstecken Mamas Schuhe und bewerfen Mama mit Schaumstoffpolstern! Schneller lauter, fester! Ich bin so richtig außer Rand und Band! Die Kekse, der Kuchen und diese Geräuschkulisse! Diese aufgepeitschte Atmosphäre! Ich schwitze, ich habe Hunger, ich muss mich bewegen. Ich schreie Mama an, ich renne vor ihr weg, sie soll mich einfach mal feste an sich drücken und mich hier raus holen.“

— viele Versuche später das Kind zum Anziehen zu kriegen —

„Endlich! Endlich hält sie mich! Aber Manno! Warum hält sie mich so halbherzig? Ich bin so unter Strom! Ich brauche gerade den Kontakt, den ganzen Körper. Die ganze Sicherheit. Ruhe und Halt. Ich zeige ihr doch so deutlich, dass ich das jetzt brauche. Was denkt sie denn, was das hier heute für mich war?
Ich bin seit 9:30 heute im Kindergarten. Wir waren 1 Stunde vor dem Mittagessen draußen auf dem Spielplatz und seit 13:00 bin ich wieder drin. In der Ruhezeit wurde ich auch nur berieselt und eine Auszeit hatte ich heute wahrlich nicht. Wieso versteht sie das denn nicht?“

—- Draußen angekommen, ich mit dem Rad startklar und mit den Nerven ziemlich am Ende —-

„Ich werfe jetzt einen Stein nach ihr! Vielleicht versteht sie dann was ich ihr zu sagen versuche.
Nein.
Sie sagt, sie versteht mich einfach nicht. Ich merke, sie ist jetzt auch noch sauer. Ich bin ganz schön leer. Jetzt weine ich. Ich will nicht, dass meine Mama sauer ist. Das wird sie, wenn sie verzweifelt ist. Und ich habe doch auch noch Hunger. Wie soll ich das denn alles unter einen Hut kriegen?

Jetzt fahren wir. Sie streichelt mein Bein während sie fährt und brabbelt was von „das das gar nicht geht, mit dem Stein“. Das an meinem Bein tut gut. Reden nicht. Ich weine. Ich glaube sie auch.

Wir sind zu Hause. Jetzt versteht sie mich. Sie gibt mir was zu essen und hält mich. Das tut guuuuut. Aber immer wenn sie wieder anfängt von dem Stein zu reden muss ich weinen. Wir weinen beide. Mama hält mich feste in ihrem Armen.

Mittlerweile schlafe ich. Meine Mama denkt noch nach.

Ich weiß, meine Mama gibt immer ihr Bestes. So wie jede, wirklich jede Mama. Auch wenn das heute keine Glanzleistung von ihr war, dann war es eben mal ein Tag, der zu den weniger schönen gehört. So ist das eben. Sie soll jetzt bloß nicht noch schlechtes Gewissen haben. Und diese Scham vor den anderen Eltern, die Mamas Hilflosigkeit mitbekommen haben, ist auch unnötig.

Vielleicht, Mama, achtest du morgen, neben dem Alltagsgeschehen, einfach ein bisschen auf Quality Time: keine Hektik und mit Leichtigkeit lachen. Schau mir auch mal wieder ein bisschen beim Spielen zu. Da bist du so aufrichtig nur bei mir. Und dann ist alles wieder Tutti.
Und so, wie ich meine Mama kenne wird sie es nächstes Mal etwas besser machen. Sie wird mit mir kurz raus und eine Schorle kaufen gehen zum Beispiel- oder etwas Gekochtes mitbringen, so dass ich meinen Hunger stillen kann.“

Ja, stimmt, eine Glanzleistung war das heute von mir nicht. Diese Tage gibt es. Scham und Schuld sind dann so typische Begleiter. Und es gibt andere Tage. Voller Freude und Dankbarkeit.

Ich habe Luke heute beim Abendessen und beim Kuscheln im Bett gesagt, dass ich ihn auch dann Liebe, wenn ich doof zu ihm bin und er dann weinen muss. Ich kann das dann nicht zeigen, weil ich selber noch verletzt bin- aber meine Liebe ist immer da.

„Weiß ich doch, Mama…“ sagte Luke.

Ich werde mich jetzt noch etwas dem hH widmen.

Gute Nacht.